Psoriasis (Schuppenflechte)

Die Psoriasis vulgaris ist eine auto-inflammatorische Systemkrankheit mit genetischer Prädisposition, gekennzeichnet durch Gewebeinfiltration mit Immunzellen (T-Lymphozyten), Hyperproliferation und Differenzierungsstörung der Keratinozyten. Verschiedene Trigger können einen Schub auslösen, wie z.B. Infektionen mit Streptokokken der Gruppe A (Scharlach, Angina, perianale Streptokokkendermatitis), Medikamente (Beta-Blocker, IFN-alpha), physischer und psychischer Stress. Außer der Haut können Nägel und Gelenke betroffen sein.

Zu den Komorbiditäten zählen Adipositas, Hypertonie, Dyslipidämie und Diabetes mellitus. Je früher der Erkrankungsbeginn, desto eher findet sich eine familiäre Belastung, ein schwerer Verlauf und ein schlechtes Therapieansprechen. Die Prävalenz beträgt in Mitteleuropa 2%, bei 1/3 der Patienten manifestieren sich die Hautveränderungen auch in den Körperfalten oder im Genitalbereich, die als Psoriasis inversa bezeichnet wird. Eine isolierte Psoriasis der Vulva kommt extrem selten vor. Daher sollte – wie bei allen Dermatosen im Vulvabereich – das gesamte Integument begutachtet werden. Klinisch imponiert die Psoriasis inversa mit juckenden, brennenden oder auch asymptomatischen, meist symmetrischen, scharf begrenzten erythematösen Plaques ohne die typische silbrig-weißliche (psoriasiforme) Schuppung in den Intertrigines, also axillär, submammär, inguinal, genital, intergluteal oder perianal. Neben dem häufigen Plaque-Typ findet sich selten eine pustulöse Form. Eine Schleimhautbeteiligung ist möglich, häufiger bei Männern als bei Frauen. Durch enge Kleidung, Koitus, Schweiß, Harn oder Stuhl kann das Köbner Phänomen ausgelöst werden, d.h. neue Herde entstehen an makroskopisch normal erscheinender Haut. Differentialdiagnostische Überlegungen betreffen Ekzeme, Pilzinfektionen, intraepitheliale Neoplasien und Karzinome, die Vulvitis plasmacellularis (Zoon), den extramammären Morbus Paget sowie einen Lichen planus. Daher sollte bei klinischer Notwendigkeit oder Unklarheit eine histologische Abklärung erfolgen. Die Lebensqualität von PatientInnen mit Psoriasis ist meist deutlich beeinträchtigt, wobei bei genitalen Läsionen das psychosexuelle Wohlbefinden oft massiv leidet. Bei der Therapie der vulvären Psoriasis gilt es, die erhöhte Penetration topischer Medikamente durch die geringe Hautdicke und vermehrte Okklusion zu beachten. Generell wird empfohlen, Irritation zu vermeiden sowie eine milde Reinigung und Pflege durchzuführen. Für die Kurzzeittherapie eignen sich am besten topische Kortikosteroide, zur Langzeittherapie topische Calcineurin- Inhibitoren und Vitamin D-Analoga. Bei ausgedehntem Befall oder hohem Leidensdruck stehen zahlreiche Möglichkeiten einer Systemtherapie zur Verfügung.