Infektionen an der Vulva

Infektionen an der Vulva

Die Primärinfektion von Fieberblasen im Genitalbereich erfolgt gleichermaßen durch Herpes simplex virus 1 (HSV-1) und Herpes simplex virus 2 (HSV-2). Frauen haben durch die größere Schleimhautoberfläche ein höheres Risiko einer Erkrankung als Männer. Das Risiko einer Erkrankung erhöht sich auch durch häufigen Partnerwechsel, Homosexualität, bei HIV-Infektion und Geschlechtserkrankungen / sexuell übertragbaren Erkrankungen. Die Ansteckung kann auch bei klinischer Erscheinungsfreiheit der Kontaktperson erfolgen (sog. symptomlose Virusausscheidung, „shedding“). Die Primärinfektion verläuft bei etwa 70% asymptomatisch, ansonsten kommt es zu einem schweren Krankheitsbild mit multiplen gruppierten of schmerzhaften Bläschen auf gerötetem und geschwollenem Grund, Lymphknotenschwellung, Dysurie und Fieber. Die Diagnose wird klinisch gestellt. Rezidive können z.B. durch physischen oder psychischen Stress hervorgerufen werden. Dabei finden sich einzelne gruppierte Bläschen und später wie ausgestanzte fibrinbelegte Erosionen, meist an der gleichen Stelle. Die rezidivierende Infektion wird häufiger durch HSV-2 verursacht. Die Therapie erfolgt möglichst frühzeitig oral mit Valaciclovir, Famciclovir oder Aciclovir. Bei mehr als 6 Rezidiven pro Jahr kann eine Suppressionstherapie in Erwägung gezogen werden.

Die genitale Candidainfektion wird in 90% der Fälle durch Candida albicans verursacht, selten durch andere Candida-Spezies wie Candida glabrata oder Candida krusei. Der Nachweis von Candida im Genitalbereich ist nicht gleichbedeutend mit einer Infektion, da eine Kolonisation bei ca. 10% aller gesunden Frauen vorkommt. Krankheitswert besteht nur bei entsprechenden Beschwerden wie Erythem, Pruritus und bröckeligem weißlichem Fluor. Die Diagnose wird klinisch gestellt und mittels Kultur bestätigt. Das Spektrum der Differentialdiagnosen ist breit, dazu kommt die Möglichkeit einer Überlagerung mehrerer gleichzeitig bestehender Erkrankungen. Als Standardtherapie der Candida albicans Infektion gilt beispielsweise Clotrimazol 100mg Vaginaltabletten 1x täglich für 6 Tage oder Clotrimazol 500mg Vaginaltablette als Einzelgabe. Bei massiver Erstinfektion kann Fluconazol 150mg p.o. als Einzeldosis oder Itraconazol 100mg p.o. 2 x 2 Kapseln an 1 Tag gegeben werden. Eine Partnerbehandlung ist empfehlenswert. Für die chronisch rezidivierende Vulvovaginitis durch Candida albicans hat sich das abgestufte Therapieschema nach Donders et al, Am J Obstet Gynecol. 2008 bewährt. Non-Candida-albicans-Arten stellen eine therapeutische Herausforderung dar.

Die weltweite HPV-Infektionsrate wird mit etwa 90% angenommen. Derzeit sind etwa 120 Stämme genotypisch charakterisiert, die in nicht-onkogene und onkogenen HPV-Genotypen eingeteilt werden. Nicht-onkogene HPV-Genotypen verursachen die banale Verucca vulgaris. Onkogene HPV-Genotypen werden in low-risk and high-risk für Karzinomentwicklung unterschieden. Die wichtigsten HPV-low-risk Genotypen sind HPV 6 und 11, die Condyloma accuminata (Feigwarzen, Genitalwarzen) hervorrufen. Die wichtigsten HPV-high-risk Genotypen, die in Zervix-, Vulva-, Penis- und Analkarzinomen nachgewiesen werden, sind HPV 16 und 18. Die meisten HPV-Infektionen verlaufen klinisch stumm; nur ein kleiner Prozentsatz der infizierten Personen entwickelt Karzinome, die über präinvasive Vorstufen, den intraepithelialen Neoplasien entstehen. HPV-induzierte Karzinome entstehen durch eine persistierende und transformierende HPV-HR-Infektion, wobei zwischen Infektion und Karzinomentstehung typischerweise eine Latenzphase von mehreren Jahren besteht. Derzeit ist eine gutverträgliche und weltweit anerkannte Impfung gegen HPV 6,11,16 und 18 möglich. Diese sollte jedoch optimalerweise vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgen. Die Therapie von hochgradigen intraepithelialen Neoplasien an der Vulva ist vielfältig. Neben chirurgischer Resektion können Läsionen mit Laser destruiert werden oder topisch mit Imiquimod behandelt werden.