Maligne Tumore der Vulva

Maligne Tumore der Vulva

Die weltweite HPV-Infektionsrate wird mit etwa 90% angenommen. Es existieren über 120 genotypisch charakterisierte Stämme, die sich in nicht-onkogene und onkogene HPVGenotypen einteilen lassen. Die nicht-onkogenen HPV-Genotypen verursachen die banale Verucca vulgaris. Die onkogenen HPV-Genotypen werden in low-risk and high-risk für Karzinomentwicklung unterschieden. Zu den wichtigsten Vertretern der HPV-low-risk Genotypen gehören HPV 6 und HPV11, die ursächlich für die Condyloma accuminata (Feigwarzen, Genitalwarzen) sind. Die wichtigsten Vertreter der HPV-high-risk Genotypen, die in HPV-induzierten Vulva- und Peniskarzinomen nachgewiesen werden, sind HPV16, 18, 31, 33, 45. Die meisten HPV-Infektionen klinisch stumm und nur ein kleiner Prozentsatz der infizierten Personen entwickelt prä-invasive Karzinomvorstufen = vulväre intraepitheliale vulväre Neoplasie (VIN) oder ein Karzinom. Für die HPV-induzierte Karzinogenese bedarf es einer persistierenden und transformierenden HPV-HR-Infektion, wobei zwischen Infektion und Karzinomentstehung typischerweise eine Latenzphase von mehreren Jahren besteht. Die VIN wird in low-grade (VIN I; unteres Drittel des Epithels besteht aus dysplastischen Zellen) und in high-grade (VIN II und VIN III; untere 2/3 und das gesamte Epithel sind dysplastisch) eingeteilt.

Eine low-grade VIN kann beobachtet werden um eine evtl. spontane Remission abzuwarten. Eine high-grade VIN sollte saniert werden. HPV-assoziierte Karzinome sich strahlensensibel. Derzeit ist eine gutverträgliche Impfung gegen HPV 6,11, 16 und 18 möglich, die vor Genitalwarzen, präinvasiven und invasiven Karzinomen schützen kann. Die Impfung sollte jedoch optimalerweise vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgen.

HPV-negative vulväre Plattenepithelkarzinome

entstehen meist auf dem Boden lang bestehender, fortgeschrittener chronisch-entzündlicher Hauterkrankungen wie Lichen sclerosus oder Lichen planus, die oft schon im Kindesalter oder Adoleszenz begonnen haben. Typischerweise sind die meisten Vulvakarzinompatientinnen ältere Frauen, aber Karzinome können auch schon in Frauen unter 40 Jahren auftreten. Während sich HPV-induzierte Karzinome über die langsam progrediente HPV-positive VIN entwickeln, entstehen Dermatosen-assoziierte Karzinome über schnell fortschreitende, hochdifferenzierte, HPV-negative intraepitheliale Läsionen, die sog. differenzierte VIN (d-VIN).

Es handelt es sich um eine aggressive Läsion mit einer nur kurzen Latenzphase von oft weniger als 6 Monaten zwischen intraepithelialer Phase und invasivem Karzinom. Beim Lichen sklerosus besteht nur in der Vulva und am Penis ein geringes Krebsrisiko von ungefähr 1-2%.

Der extragenitale Lichen sklerosus und der Lichen planus in behaarter vulvärer Haut hat kein Entartungsrisiko während beim Lichen planus der oralen und ösophagealen Schleimhaut ein Krebsrisiko zwischen 0,5 und 5% angegeben wird. Für die Vulva und den Penis sind die Inzidenz wie auch die Risikofaktoren, ein Karzinom im Lichen planus zu entwickeln, derzeit unbekannt. LP-assoziierte Karzinome entstehen oft in der modifizierten Mukosa der Labia minora und der periurethralen, periklitoralen glykogenisierten Mukosa wie auch am Introitus vaginae und in der Vagina. Eine Karzinompatientin mit residuellem Lichen sclerosus / Lichen planus gilt als Hochrisikopatientin für ein Zweitkarzinom und braucht engmaschige onkologische Nachsorge, denn auch diese HPV-negativen Zweitkarzinome entstehen über die Vorstufe der d- VIN, mit nur kurzer Latenzphase zwischen intraepithelialer Phase und invasivem Karzinom.

Karzinome der Bartholin’schen Drüse sind Adenokarzinome. Der genitale (extra-mammäre) Morbus Paget ist in über 90% ein intraepitheliales Karzinom mit sehr langsamer Ausbreitung.

Als Ursprung werden Stammzellen der Haare und Haaranhangsgebilde angenommen. Im Gegensatz zum mammären Morbus Paget haben diese Patientinnen keine assoziierten Malignome. Maligne Melanome können in der behaarten Haut entstehen, die sich wie kutane Melanome außerhalb der Genitalregion verhalten und primär regionale Lymphknotenmetastasen bilden. Melanome der Schleimhaut (Vagina / Vulva / Zervix) dagegen sind aggressive Tumore, die oft früh hämatogen metastasieren.